Die Bon-Pflicht bleibt ein Ärgernis

Unterwegs im Mühlenkreis mit Handwerkspolitiker Matthias Goeken

06.03.2020 | Bianca Winkelmann

Simone Böhne ist ganz ehrlich. Die Kassenbon-Pflicht sei nicht das größte Problem des Backgewerbes, sagt die Geschäftsführerin von „Karlchens Backstube“. Aber: „Es ist ein weiterer Punkt, der die Brötchen am Ende unnötig teuer macht.“ Nur fünf bis zehn Prozent der Kunden würden die Kassenbons mitnehmen, erklärte die Geschäftsführerin gegenüber Bianca Winkelmann und Matthias Goeken.

Die heimische Landtagsabgeordnete und ihr Kollege, der Beauftragter der CDU-Landtagsfraktion für das Handwerk ist, haben nun mehrere Gespräche mit Handwerksvertretern aus dem Mühlenkreis geführt. Viele der angesprochenen Probleme kennt der Höxteraner Matthias Goeken als gelernte Bäckermeister selbst gut genug. Neben dem Besuch von „Karlchens Backstube“ sprachen die beiden Christdemokraten außerdem mit dem neuen Kreishandwerksmeister Ulrich Birkemeyer sowie mit Wolfram Kölling von der Bäckerei Kölling aus Rahden-Pr. Ströhen.

Prüfung eines Freibetrages

Auch dort herrscht dasselbe Unverständnis über die unnötigen Kassenbons. 200 Rollen gehen bei den Köllings jeden Tag durch. „Das ist absolute Papierverschwendung“, so Wolfram Kölling. Und Simone Böhne meinte: „Wir haben überhaupt kein Interesse daran, dass nicht richtig abgerechnet wird.“ Bianca Winkelmann sieht ein wesentliches Problem vor allem im generellen Misstrauen, das durch die Regelung von SPD-Finanzminister Olaf Scholz zum Ausdruck gebracht werde. „Die Bon-Pflicht schießt über das Ziel hinaus“, findet auch Matthias Goeken: „Als NRW-Koalition stehen wir für eine verkäufer- und umweltfreundliche Belegausgabepflicht und prüfen, ob die Einführung eines Freibetrages pro Bon möglich ist.“

Viele Dokumentationspflichten

Simone Böhne ging außerdem auf die vielen Dokumentationspflichten ein: „In den vergangenen 15 Jahren hat sich unglaublich viel geändert. Vieles kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen, wenn man etwa bedenkt, dass früher noch in vielen Bäckereien noch geraucht wurde.“ „ Maß und Mitte“ seien hier der richtige Weg, findet Bianca Winkelmann. „Jede Regierung – egal ob im Bund oder im Land – ist mit dem Ziel gestartet, die Bürokratie abzubauen. In den seltensten Fällen sind diesen Worten jedoch Taten gefolgt“, sagt Bianca Winkelmann. Im Falle der NRW-Koalition verweist sie etwa auf die Entfesselungspakete, die Abschaffung der Hygiene-Ampel und die elektronische Gewerbeanmeldung als wichtige Erfolge. „Viele Daten, die momentan zusätzlich erhoben werden müssen, ließen sich auch auf einem anderen Weg generieren“, sagte Matthias Goeken. „Anstelle der zusätzlichen Erhebung könnte man aus bereits vorhandenen Daten aus der Buchhaltung die Kennzahlen ableiten. So lassen sich beispielsweise die Verbrauchswerte von Strom, Gas oder Kraftstoffen über die durchschnittlichen statistischen Jahreswerte pro Liter oder Kilowattstunde errechnen. Wir halten es für sinnvoll, dass Unternehmen einen Großteil der Daten nur melden müssen, wenn sich die Unternehmenskennzahlen signifikant ändern. Dann wären viele Meldungen überflüssig, die sonst in den Unternehmen und Ämtern zu unnötigem Arbeitsaufwand führten – insbesondere, weil viele Daten noch analog gemeldet werden.“

"Handwerk ist grundsolide Arbeit"

Um das Handwerk im Bauhauptgewebe ging es bei Zimmermeister Ulrich Birkemeyer. Zehn Angestellte zählt der Unternehmer in seinem Fachbetrieb in Preußisch Oldendorf. Mit Sorge beobachtet er die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und die viel diskutierte Nachwuchs- und Facharbeiterproblematik. Dabei spiele nicht nur das Thema X,Y oder Z-Generation eine Rolle, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz handwerklicher Berufe im allgemeinen. „Hier ist noch viel Dialogarbeit notwendig“, sagte er und räumte ein, dass Imagekampagnen und neue  Arbeitszeitmodellen nur der erste Schritt in Richtung Veränderung seien. Die Rückkehr zur Meisterpflicht und die Aufwertung durch den Bachelor-Zusatz begrüßte er, sie seien aber kein Garant für mehr Leistung oder Leidenschaft für die Gewerke. „Handwerk, das ist in erster Linie grundsolide Arbeit für Dinge, ohne die unser Alltag nicht vorstellbar ist“. Die Floskel mit dem goldenen Boden teilt er nicht und sorgt sich eher um diejenigen, die voreilig und ohne die erforderlichen Kenntnisse den Weg in die Selbstständigkeit gehen. „Das erfordert viel Weitsicht und Erfahrung.“ Wie die Bäckereivertreter kritisiert auch er die bürokratischen Hürden und das „Problem, dass Unternehmer durch die neuen Gesetze pauschal unter Generalverdacht gestellt werden“.
Besonders den kleinen und mittelständischen Unternehmern dürften durch den hohen Bürokratieaufwand keine Steine in den Weg gelegt werden, stellen sie doch den Motor für die Wirtschaft dar, im Mühlenkreis aber auch in ganz NRW, waren sich Goeken und Winkelmann einig. „Es ist wichtig, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um es den Unternehmen nicht unnötig schwer zu machen“, so Goeken. Die Eindrücke aus dem Besuch sowie die freundlichen Gespräche und offenen Worte nehmen Bianca Winkelmann und Matthias Goeken gerne mit in ihre Arbeit in den Düsseldorfer Landtag.